{"id":5493,"date":"2018-01-09T14:57:04","date_gmt":"2018-01-09T13:57:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.rhizom.de\/wandern\/?p=5493"},"modified":"2019-05-03T11:23:08","modified_gmt":"2019-05-03T09:23:08","slug":"traumorte","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.rhizom.de\/wandern\/2018\/01\/09\/traumorte\/","title":{"rendered":"Traumorte"},"content":{"rendered":"<h2>Fr\u00fchjahr 2019: nichts kommt \u00fcberraschend<\/h2>\n<p>Anl\u00e4sslich der Volksinitiativen in Bayern und seit 15.4. 2019 in Brandenburg &#8211; ohne Berlin; Berlin baut zu.<br \/>\n<strong>Rettet Bienen, V\u00f6gel und Schmetterlinge \u2013 stoppt das Artensterben!<br \/>\n<\/strong><br \/>\n<img loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-full wp-image-12595\" src=\"http:\/\/www.rhizom.de\/wandern\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/florfliegen-traum.jpg\" alt=\"Florfliegen-Traum\" width=\"300\" height=\"225\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Traum 14.\/15.12.1999<br \/>\nein betonbunker zwischen schlamm und steinen<br \/>\nkanuwanderer teilen mit: hier ensteht das paradies, es wird geflutet<br \/>\nich antworte: das ist gelogen<br \/>\nund nenne eine unzahl insekten und pflanzen: sie werden vernichtet<br \/>\nvor meinen augen versinkt alles in unendlichem wasser<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diesen Traum ver\u00f6ffentlichte ich mit diesem Bild 2000 auf meiner nicht mehr existierenden Webseite &#8220;Traumprotokolle&#8221;. Damals real am Fenster: eine Zikade. Im Sommer sah ich weder Zikaden, noch Florfliegen. Der Rotdorn vor dem Haus entwurzelt von einem der auff\u00e4lligen, neuen St\u00fcrme &#8211; seine Borke war pr\u00e4chtig als Unterschlupf f\u00fcr Insekten! Ein alter H\u00f6hlenbaum: gef\u00e4llt. Jegliches Laub\u00a0 hinweg gepustet, die Pflasterritzen gebrannt. Ratzbatz verschwanden Insekten, B\u00e4nderschnecken, Weinbergschnecken, der Zaunk\u00f6nig, der Gr\u00fcnspecht, die Kleiber. Die Igel krauchten verhungert durchs Gras; der Fuchs wurde nachts leise erschossen.<br \/>\nWir leben seither in 10969 trotz Gr\u00fcn klinisch steril wie es sich f\u00fcr eine Metropole geh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Stimmt nicht: regelm\u00e4\u00dfig kommt der Dienstleistungsbetrieb mit geschulten Sch\u00e4dlingsbek\u00e4mpfern gegen das Rattenproblem. Sichere Arbeitspl\u00e4tze im neuen Jahrtausend.<\/p>\n<hr \/>\n<h2>Versatzst\u00fccke<\/h2>\n<p><strong>9. Januar 2018, 10 Uhr morgens.<\/strong><br \/>\nIch war nie hierdort. In fr\u00fcheren Tr\u00e4umen konnte ich die Versatzst\u00fccke orten. Aber hier? Orte der Orte der Traumorte? Deren Orte der Orte. Traum-lebendiger als Film oder Foto. Nicht so wie Berlin am Abend immer wie bestes Kino ist, wenn allerdings ich laufe und nicht die Kamera &#8211; aus den Autos dr\u00f6hnt die &#8220;Filmmusik&#8221;. Hier liegt ein transparenter Schleier vor allem, wie von ungeputzten Fenstern oder von Nebelgrau oder mit einer prozentual niedrigen Ebenenfunktion von Photoshop. Bilder mit dem Pinsel auf chinesischen Papieren zerflossen. Die Kanten nicht von Programmen gesch\u00e4rft, keine erh\u00f6hten Kontraste, keine Tonwerte verbessert f\u00fcr den standardisierten Anblick der Natur. Nicht die Natur im k\u00fcnstlichen Licht, neonfarben und trashig, mit k\u00fcnstlichen Augen gesehen. Wahrhaftig geht anders.<br \/>\nSchweigen. Stille.<br \/>\nIch kann greifen, pralle nicht ab an der Gl\u00e4tte. Tauendes Eisblumenfenster in eine bessere Welt. Sehnsucht, nicht nach Verlorenem &#8211; nach etwas anderem, an dem sonst vorbei gelebt wird.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.rhizom.de\/wandern\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/traum.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-5497 aligncenter\" src=\"http:\/\/www.rhizom.de\/wandern\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/traum.jpg\" alt=\"Fenster zur Traumwelt\" width=\"566\" height=\"330\" srcset=\"http:\/\/www.rhizom.de\/wandern\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/traum.jpg 566w, http:\/\/www.rhizom.de\/wandern\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/traum-300x175.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 566px) 100vw, 566px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Nur nicht mit Menschen. Jetzt nur kein Klingeln, kein Wort aus dem von Nachtspucke verklebten Mund. Nicht in die Uckermark, wo die Sonne scheint. Bleiben d\u00fcrfen. Nirgends hin wo die Selbstbestimmung mit zarten F\u00fc\u00dfen oder groben Schuhen getreten wird.<br \/>\nDas Leben als ein KZ f\u00fcr die innere Stimme.<br \/>\nBitte niemals auf den Tod warten m\u00fcssen in Altersheimen mit einer bis zum letzten Atemzug geregelten Zeit.<br \/>\nDas Menschtier will den Rhythmus von Sonne und Mond, Wind und Regen und Schnee.<\/p>\n<p>Wir wandern durch dunklen, schwarzgr\u00fcnen Nadelwald (na und, Fatih Akin*: die einen haben den dunklen Wald und die andern Glitter von Primarkt&#8230;). Ich w\u00fcnsche ihn nicht umgebaut zu lichterem Mischwald. Das Gef\u00fchl der Sicherheit: unter tief h\u00e4ngenden, stachligen Zweigen auf den trockenen Nadeln liegen &#8211; ein Geschenk unter dem Weihnachtsbaum. Lichtlos. Ringsum ist Krieg. Sieht ihn jemand? Erinnert sich jemand? Allerfr\u00fcheste Kindheit&#8230; Nein, nicht diese erste Traumerinnerung vom Aufwachen irgendwo mitten im w\u00fcsten, menschenleeren Land, am Horizont scherenschnittartig B\u00e4ume und W\u00e4lder.<br \/>\nNein, Erinnerung an den Dachboden. Ein Bodenfenster, verwinkelt riesig klein der Raum unter dem Holzgeb\u00e4lk und den Ziegeln. Ein verflogener Spatz. Eine steile Treppe zum Versteck, eine Engelstreppe wie die der Dorfkirche &#8211; nur nicht au\u00dfen. Ein Herd. Mein Gott, diese H\u00e4user waren bereits einmal alle abgebrannt. Dort bin ich nicht, dort m\u00f6chte ich nie wieder sein, dort geh\u00f6rte und geh\u00f6re ich nicht hin, dort waren oben Angst und unten Hass.<\/p>\n<p>Wo ich heute bleiben m\u00f6chte, gibt es nicht mehr als eine verwandte Gedankensprache zum **Taghaus Nachthaus, zum **Gesang der Flederm\u00e4use.<\/p>\n<p>In einem dunklen Wald. Wir gehen schnellen Schrittes. Ich will nicht folgen (folgen = lieb und artig sein?), will Atem holen, anderen als den zum Laufen.<br \/>\nUnd da sind die anderen verschwunden auf den verschlungenen Wegen. Aber alle Wege f\u00fchren zum Ziel.<\/p>\n<p>Ich MUSS gar nichts.<\/p>\n<p>Die Stimmen schallen durch den Wald weit. Ich rufe, rufe, rufe. Mit Stimme &#8211; oft erstirbt die im Traum &#8211; hier nicht. Aber es ist nichts mehr zu h\u00f6ren.<br \/>\nAm sonnigen Haus der Einkehr, ja: genau wie das Gutshaus von Weidmannsruh. Also doch die Versatzst\u00fccke &#8211; ich erkenne es wieder. Aber ich komme nicht zum Essen. Ich habe die andere Seite nicht gesehen, die ihr gegangen seid. Ich war nur auf der anderen Seite &#8211; alles Kafka und Kubin.<br \/>\nAlso ich gehe. Wir treffen uns.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.rhizom.de\/wandern\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/traumorte.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-full wp-image-5520\" src=\"http:\/\/www.rhizom.de\/wandern\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/traumorte.jpg\" alt=\"Traum\" width=\"566\" height=\"330\" srcset=\"http:\/\/www.rhizom.de\/wandern\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/traumorte.jpg 566w, http:\/\/www.rhizom.de\/wandern\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/traumorte-300x175.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 566px) 100vw, 566px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Einen breiten Sandweg abw\u00e4rts, links von mir tief eingeschnitten und bis zur Sohle steil gemauert ein Flussbett ohne Wasser, ein Rinnsal. Absturzgefahr mit Hals- und Beinbruch. Vor mir der Bergwald mit schloss\u00e4hnlichen, unbetretbaren Villenbauten an den H\u00e4ngen. Dresden oder Altenbrak aus einer unausl\u00f6schlichen Erinnerung? Nicht wirklich. Steile, enge Gassen, felszackige Schlote zum Hinuntergleiten, dorthin wo sich zahllose Wege \u00fcberschneiden, alles verwirren wie ein unendlicher Wollkn\u00e4uelfaden.<br \/>\nVon rechts rauscht dunkelwellig Wasser in einem Bachbett heran. Ich will zur\u00fcck. Dort ist die Br\u00fccke. Ich setze den Rucksack ab, versuche mich in den himmelblau leuchtenden Felsschlundschlot zu winden. Aber was einmal hinunter ging, geht nicht wieder hinauf. Wie alles im Leben. Einen anderen Weg suchen, einen, der nicht zur\u00fcck f\u00fchrt.<br \/>\nKleine sandsonnenwarme H\u00e4user und Stra\u00dfen. T\u00fcr- und torlos. Gehen, gehen, gehen. Ich m\u00f6chte es nicht, das Zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Wenn ich genau schaue durch den Schlitz fast geschlossener Augen, hat der namenlose Baumbusch vor meinem Fenster bereits kleine, gr\u00fcne Knospen.<br \/>\nIch werde gehen und mir aus der Gefrier-Retorte Br\u00f6tchen kaufen und Leberwurst &#8211; industriell &#8211; und essen, einfach essen, essen. Nat\u00fcrlich schmeckt die Leberwurst nicht nach Leberwurst so ohne Mayoran, ohne Thymian oder was wei\u00df ich: voller Arsen oder Glyphosat oder einfach nur Salz. Egal. Be Berlin.<br \/>\nEs ist 12 Uhr. Die Sonne strahlt. Ich bin nirgends. F\u00fcr heut ist alles zu sp\u00e4t.<br \/>\nWenn sie hier w\u00e4ren &#8211; der Wald, die Wiesen, das Wasser, der Wind &#8211; w\u00fcrde ich rausgehen, ohne fett zu werden.<\/p>\n<p>Und nun d\u00fcrfen sich die Traumdeuter abarbeiten.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">* Fatih Akin, zum Thema &#8220;Was wei\u00df das Kino, was wir nicht wissen&#8221;: DVD &#8220;Von Caligari zu Hitler&#8221;<br \/>\n**\u2192 <a href=\"http:\/\/www.rhizom.de\/wandern\/2017\/09\/05\/lektuere\/\">Olga Tokarczuk, zwei ihrer Buchtitel<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fr\u00fchjahr 2019: nichts kommt \u00fcberraschend Anl\u00e4sslich der Volksinitiativen in Bayern und seit 15.4. 2019 in Brandenburg &#8211; ohne Berlin; Berlin baut zu. 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