Füße und Schuhe zum Wandern

Wanderschuhe
Polen, Hohe Tatra 1961

Schuhe können wie die winzigen chinesischen Damenschuhe kleine Kunstwerke sein. Die entsprechenden Trippelschritte und die notwendige Anspannung der Beckenmuskulatur galten als stimulierend für die Liebeslust des Mannes. Aschenputtels Füßchen hatten eine ähnlich erotische Wirkung.
Kein Wunder, wenn heutzutage beim Wandern die Hoffnung auf den Prinzen zerbricht. Angesichts der zweckorientierten Wanderschuhe kommt einfach kein abseitiger Einfall. Immerhin gab es diesbezüglich meinerseits in sehr jungen Jahren zierlich fast unbeschuht – oder besser gesagt unbedarft – Versuche: 1961 über den Kamm der Tatra mit Wanda und Krzysztof, unserem Wanderleiter. Es war das erste, unvergessliche Mal, dass ich richtige Berge mit Schnee und Enzian gesehen habe. Etliche Jahre später ist mir das Besteigen des Chopok, Slowakei, notgedrungen die Pfennigabsatzschuhe in der Hand und barfuß auch nicht schwer gefallen.

Heutzutage wäre umgekehrt das Tragen von steigeisenfesten Bergstiefeln auf brandenburgischen Sandwegen zu hinterfragen. Nicht nur, dass das brettartige Gehverhalten in die Ohren der Mitwanderer plautzt, für Skelett und Zehen ist das schädlich. Die Urgeschichte des Schuhs wird entsprechend auch an den Knochen abgelesen, denn Schuhwerk gehört bekanntlich zu den Objekten der Kultur, die aufgrund ihres Materials nur unter besonderen Umständen die Zeiten überdauern. Knochen bleiben verformt.

Elbdeich bei Lenzen 2016, Foto W.Pagel
Leder (vorn) oder Haut (hinten) – das ist die Frage. April 2016, Elbdeich bei Lenzen, Wanderung des Wandersportvereins Rotation Berlin
Foto (Ausschnitt) © W.Pagel

Viele tun so, als wären Schuhe das Wichtigste beim Wandern. Zum wahren Glück – zumindest in Brandenburg – brauchen wir jedoch oft nichts weiter als nackte Füße: eine höchst soziale Form des Wanderns und im Sinne von radikalen Tierschützern. Genau wie die indischen Jains, Asketen, die nur barfuß gehen, wird nicht das kleinste Tier verletzt. Ein Fußsack aus Fell, die Haarseite nach innen (Mokassins) oder die Stiefel mit Heu ausgestopft wären eine Kältevariante.
Ein Outdoorgeschäft ist dann natürlich nicht zu machen. Dafür wurden die Barfußschuhe entwickelt. Ich trage alles wie es kommt bzw. vorhanden ist. Und wenn es strapaziös wird: die leichten Keen.
 

Polen, Hohe Tatra 1961
Ergänzung zu Bein und Schuh / Polen, Hohe Tatra 1961

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