1991, Portbou / katalanische Pyrenäen

Portbou

Als ich noch ohne Apparate wanderte.

Von Perpignan aus kommend, der Grenzbahnhof Portbou nach Spanien: hier verweigerte die Franco-Polizei Walter Benjamin am 25.September 1940 die Einreise. Die Nacht vor seiner Abschiebung verbrachte er in einem kleinen Hotel. Dort wurde Benjamin am anderen Morgen tot aufgefunden.
1991 kannte in Portbou niemand auch nur den Namen Walter Benjamin. Nichts von der Geschichte des Grenzbahnhofs war zu erfahren. Der Friedhof mit seinem kleinen Kolumbarium lag einsam. Den atemberaubenden Blick, steil hinunter zum Meer, werde ich nie vergessen. Am Himmel war ein Regenbogen zu sehen.
Kurz darauf musste ich mir mein Bild malen.

1994 las ich von der Einweihung des „Passagen“-Monumentes auf dem Friedhof, dort wo jeder Blick wie gebannt war vom Eindruck einer gefährlich schönen, sprechenden Natur.
Es sind die gelesenen Werke Walter Benjamins, die ihn unvergesslich machen und den Ort heiligen. Das Monument ist zuallererst ein Kunstwerk von Dani Karavan.
Auch Thomas Müntzer mit seinem Bauernheer bekam Denkmäler. Und doch steht für mich weitaus intensiver der kahle Berg der Schlacht bei Frankenhausen (1525) vor Augen mit dem damaligen Regenbogen (mag er wahr oder ein Mythos sein).
Jeglicher Denkmalgedanke hat seine Tücken.